Kann die Musikindustrie den Veränderungen standhalten?

Innerhalb der letzten 10 Jahre wurde das Internet selbst, zu einem der wichtigsten strategischen Informationssysteme für die Musikbranche. Primäre Wertschöpfungsaktivitäten wie zum Beispiel Vertrieb und Marketing geraten immer mehr in den Mittelpunkt der fünf großen Plattenfirmen, die den hauptsächlichen Teil der weltweiten Veröffentlichungen ausmachen. Während sich die traditionellen Strukturen der Branche immer weiter auflösen, verändern sich auch die zentralen Elemente ihrer Wertschöpfungskette. Als erstes und stärkstes Glied stellt die erfolgreiche Produktion und Aufnahme von Musik durch die Künstler die Basis der milliardenschweren Branche dar. Ein ordentlicher Vertrag zwischen Künstler und Plattenfirma sowie die Förderung der Musiker sind zwei weitere nennenswerte Elemente. Schließlich folgt die Vervielfältigung auf Medien verschiedener Art bzw. die Digitalisierung, um letztendlich eine Distribution über mehrere Absatzwege zu ermöglichen. 

In der immer schnelllebiger werdenden Musikbranche haben Lieferanten mit exklusiven und hochwertigen Leistungen bzw. Produkten, in diesem Fall populäre Künstler, die gute Songs produzieren, eine hohe Verhandlungsstärke gegenüber dem Plattenlabel. Die Konkurrenz zwischen den einzelnen Wettbewerbern stellt sich nicht als sonderlich hoch dar, da es seit mehreren Jahren nur 5 nennenswerte Plattenfirmen gibt und der Markt für neue Teilnehmer auf Grund des hohen  Einstiegskapital und des umfangreiches Know Hows nur sehr schwer zu erschließen ist. Eine immer größere Bedrohung ist durch Ersatzprodukte und -leistungen sowie durch eine völlig neue Verhandlungsstärke der Kunden gegeben, da für Konsumenten nach wie vor die Möglichkeit besteht, Lieder im Internet über diverse Tauschbörsen kostenlos herunterzuladen. Das Internet, als hauptverantwortliches Medium für die aktuelle Marktsituation und die damit verbundenen Möglichkeiten der Beschaffung von urheberrechtlich geschütztem Material trägt, meiner Meinung nach, zu einem Großteil dazu bei, dass die Verkaufszahlen von herkömmlichen CDs zurückgehen. Viele Internetnutzer, die sich ausschließlich als Verbraucher durch das WWW bewegen, glauben nach wie vor an ihre Anonymität am heimischen PC oder sind sich dem ständig steigenden Risiko wegen Verletzung des Urheberrecht strafrechtlich verfolgt zu werden nicht bewusst. Wenn die Möglichkeit bestünde in herkömmliche CD-Geschäfte zu gehen, sich dort Musik auszusuchen, um diese dann absolut unerkannt entwenden zu können, würde man dort mit großer Wahrscheinlichkeit eine Vielzahl von aktiven Filesharern wiedertreffen. Es liegt meiner Meinung nach in der Natur vieler Menschen, eine möglichst große Menge von Gütern für eine möglichst kleine oder gar keine Gegenleistung zu erhalten. Wird eine solche Möglichkeit geschaffen, wird diese auch, wie am Beispiel der Musikbranche leicht zu erkennen ist, schamlos ausgenutzt.

Die Anpassung an diesen sich stark verändernden Markt ist für deren Teilnehmer eine anspruchsvolle Aufgabe. Im Mittelpunkt des Managements steht, sowohl im organisatorischen als auch im technischen Bereich, eine Überarbeitung des Geschäftsmodells. Das Produkt muss dem Kunden über eine leicht zu handhabende Plattform kostengünstig angeboten werden. Dies erfordert höchsten technischen und organisatorischen Anspruch, da das Internet als Absatzweg eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Auch die Aufklärung des Verbrauchers über die Illegalität der Nutzung von Tauschbörsen für das Herunterladen von urheberrechtlich geschütztem Material erfordert ein hohes Organisationsvermögen. Durch immer besser werdende Musik-Download-Portale wie zum Beispiel iTunes, kehren viele Konsumenten zum legalen Download von Musik zurück, meist unter dem Aspekt, ein gutes Gewissen zu haben. Meiner Meinung nach haben viele der neuen Geschäftsmodelle in der Musikbranche Zukunft und können sich mindestens die nächsten zehn Jahre am Markt etablieren. Die Voraussetzung dafür ist, dass durch die Branche selbst stets Aufklärung betrieben wird, um Verbrauchern ihr unrechtes Handeln bewusst zu machen. Weiterhin denke ich, dass die Branche selbst kein Anrecht auf einmal da gewesene Umsätze hat. Ein Markt lebt von seinen Neuerungen und Veränderungen und es ist die Aufgabe des Teilnehmers, sich diesem bestmöglich anzupassen.